Dusche, Schwimmen im kleinen Meerwasser-Schwimmbad und Ver-/Entsorgung sind im Preis eingeschlossen, Strom kostet extra. Auch hier gilt: Laaaaaanges Stromkabel mitnehmen, denn, wie schon Murphy sagt, ist gerade die Steckdose belegt, die dem Stellplatz am nächsten liegt.
Frühmorgens um 5:15 werden wir unsanft geweckt. Ein extragroßer Gabelstapler lädt und entlädt das Frachtschiff HarleGatt lautstark, gleich daneben wird ein Fährschiff mit Gepäckcontainern für die Fahrgäste auf die Insel Wangerooge vorbereitet.
Damit ist an ein Weiterschlafen nicht zu denken. Viel interessanter ist es, beim Frühstück das Leben im Hafen zu beobachten. Langsam trudeln Touristenbusse ein, bis kurz nach 9 Uhr sind es schon mehr als ein Dutzend. Zwei große Fährschiffe warten auf sie und fahren nacheinander ab.
Wenn das jeden Tag hier so lebendig zugeht, scheint man hier falsch am Platz zu sein, wenn man die Ruhe liebt. Das ist kein beschaulicher "Show-Hafen". Im für mich zu kleinen, beheizten Freibad ist schon um kurz nach 7 Uhr morgens ebenfalls kräftig was los. Mehr als 15 Schwimmer, meist im Seniorenalter, vergnügen sich brustschwimmend, "ja nicht die Haare nass machen", im salzigen Nass.
Harlesiel und Carolinensiel sind in einem Atemzug zu nennen und werben mit dem Titel "Das Nordseebad mit den drei Häfen". Wer gut zu Fuß ist, erwandert sich die beiden Ortschaften, immer an der Harle entlang.
Das Deutsche Sielhafenmuseum Carolinensiel erstreckt sich mit drei historischen Häusern rund um den Museumshafen im Herzen von Carolinensiel. Weitere Sehenswürdigkeiten in und zwischen beiden Teilortschaften findet man hier, so dass eine doppelte Aufzählung nicht notwendig erscheint.
Und wer auf dem Rückweg keine Lust mehr hat, den Boden zu treten, nimmt den Raddampfer "Concordia II", einem Nachbau der alten Concordia I von 1854, der im Pendelverkehr vom Museumshafen in Carolinensiel bis zum Yachthafen in Harlesiel fährt.
Wangerooge
Wir beschließen, uns nicht den großen Schiffen anzuvertrauen, in die vorhin die Insassen der zahlreichen Busse geströmt sind, sondern nehmen für den Ausflug auf die Insel Wangerooge den Ausflugsdampfer Jens Albrecht III der Reederei Albrecht, Abfahrt Hafen-West (wichtig!). Hier eine Karte von Wangerooge.
Auch auf der Überfahrt nach Wangerooge gibt es Seehundsbänke. Der Kapitän hält an der Sandbank und dreht das Schiff, damit auch die Fahrgäste auf der anderen Seite Fotos machen können.
Angekommen im Hafen von Wangerooge, machen wir einen langen Spaziergang auf einem Betonsteinweg von der Mole zum Turm (jetzt Jugendherberge). Wir klettern über den Deich und befinden uns jetzt an der Nordseite der Insel. Da gerade Ebbe ist, liegt vor uns eine lange Wanderung auf dem weiten menschenleeren Sandstrand, am Saum der Nordsee entlang bis zum mit Standkörben gespickten Strand unterhalb des Ortes Wangerooge.
Interessant: Nur wenige Restaurantbesitzer haben ihre Stühle offen auf die Strandpromenade gestellt, die meterhoch über dem Strand thront. Meistens sitzen die Touristen hinter Glas oder gleich in geschlossenen Räumen mit Panorama-Fenstern. Das gibt mir zu grübeln, bis es endlich bei mir funkt: So windstill wie heute ist es hier wohl selten; wer wird sich schon bei heftigem Wind den Schaum vom Bier blasen lassen, wenn er sich hinter einer Barriere verstecken kann. Schade, denn die Aussicht auf den Strand und das Meer ist wirklich beachtlich!
Auf leicht abfallendem Weg, der gesäumt ist von Lokalen und Geschäften, wandern wir hinunter zum Leuchtturm (Museum und Aussichtspunkt) und Bahnhof. Apropos Leuchtturm: Wer noch nicht verheiratet ist, wird sicher gerne hören, dass es seit 1996 möglich ist, auf dem alten Leuchtturm zu heiraten.
Nach einem wässrig schmeckenden Capucchino, den wir einem Kiosk am Bahnhof zu verdanken haben, nehmen wir die Inselbahn zum Anleger. Mit dem Albrecht-Schiff fahren wir nach einem erholsamen Tag in der Fahrrinne durch das Wattenmeer nach Harlesiel, wobei wir im abendlichem Licht die "Rush Hour" einiger Schiffe begeistert verfolgen.
Im Wattkieker-Restaurant am Campingplatz tun wir uns etwas Gutes und machen für 17,50 Euro mit bei einem Fisch-Abend. Von wegen "Angel raus und warten, bis einer anbeißt"? Nein, es gibt als Vorspeise ein Fischbuffet vom Feinsten und dann ein Dreierlei von gebratenem Fisch als Hauptgang. Deliciös! Ein herrlicher Sonnenuntergang rundet den Tag ab.
Wangerland
Von Carolingersiel fahren wir die "Grüne Küstenstraße" entlang nach Osten und weiter nach Süden Richtung Wilhelmshaven. Das Wetter zeigt uns nicht nur seine kalte, sondern auch seine feuchte Schulter. Dicke schwarze Regenwolken ziehen schnell über unser Wohnmobil hinweg, starker Regen ergießt sich in Schauern auf die Landschaft des Wangerlandes. Wir wollen mehrere Male an der Küste entlang halten, um endlich das Meer zu sehen, das sich hinter den Deichen versteckt hält, denn es finden sich einige schöne und geräumige Parkplätze, doch wir werden von Schildern davon abgehalten, die uns nahelegen, ohne Wohnmobil den Platz zu betreten.
Vielleicht gibt es den ein oder anderen Platz, doch wir haben ihn nicht gefunden. In Schillig hätten wir schon aussteigen und uns die Beine vertreten können, aber dazu hätten wir an einer Schranke anhalten und der Dame des Wärterhäuschens einen Obulus entrichten müssen. Offenbar ist der Parkplatz gleichzeitig Campingplatz. Dann vertreten wir uns die Beine eben anderswo. Tschüss Schillig, es hat nicht sollen sein...
Jever
In Jever, das ein paar Kilometer im Landesinneren liegt, besichtigen wir das Schloss, das von einem Park mit alten Bäumen umgeben ist. Innen: Das Schlossmuseum. Tipp: Holen Sie sich ein Faltblatt "Schlossgarten", wo 18 Bäume mit Standort und lateinischem Namen verzeichnet sind. Vom ursprünglichen Baumbestand zeugen heute noch mächtige Rot- und Blutbuchen, Eschen, Linden und Eichen, aber es finden sich auch Exoten und botanische Kostbarkeiten.
Die Windmühle steht (August 2006) zum Verkauf. Im Turm der ausgebrannten Pfarrkirche zeigt man den eindrucksvollen Sarkophag des Häuptlings Edo Wiemken, der uns zum Staunen bringt. Ein bedeutendes Beispiel später Niederländischer Renaissancekunst.
Wir kaufen in der Schlosskäserei verschiedene Sorten Schafskäse. Eine Kleinstbrauerei hat einen netten Biergarten. Gleich hinter der Theke stehen die kupferglänzenden Braukessel.
Jever am Sonntag: Mir kommt die Stadt reichlich ausgestorben vor. Vereinzelt schlendern Touristen durch die Gassen. Nach einer Weile frage ich mich "ist das schon alles gewesen?" Nein, nicht ganz, gibt es doch die ortsansässige Brauerei, die überregional bekannt ist. Leider ist am Sonntag Ruhetag, so dass keine Führung stattfindet. Weiter Sehenswürdigkeiten finden Sie auf der homepage der Stadt Jever.